Jörg Shimon Schuldhess: Das Weltgeschehen in Bildsymbolen
Jörg Shimon Schuldhess
Das Leben von Jörg Shimon Schuldhess (1941–1992) war kurz und intensiv, in ständiger Aktivität zwischen Malen und Schreiben, im Erkunden und Studieren der Ereignisse auf der Welt, von Ländern, Kulturen, Philosophien und Religionen.
Durch alle diese Bestrebungen entstand ein bildnerisches Gesamtwerk von über 7000 Titeln (joerg-shimon-schuldhess.ch). Die Bilder reflektieren die Zustände auf der Welt und die politischen Ereignisse: die Shoah, die Entwicklungen in Israel und Palästina, die Nachwehen von Jahrhunderten Sklavenhandel und Kolonialismus in Afrika, den Bürgerkrieg in Sri Lanka, Slums und extreme Armut in Indien, später die ersten beiden Golfkriege: Iran–Irak und 1991 der Krieg um Kuwait.
Schuldhess’ Bilder antworten auf diese Ereignisse und Tatsachen in Form von selbstgeschaffenen Symbolen. Die gegensätzlichen Kräfte, die das Weltgeschehen bestimmen, werden oft durch Tiere verkörpert: die zerstörerische Gewalt als Nashorn, Gewaltverzicht trotz enormer Machtmittel als Elefant, die kreatürliche Lebensenergie als Fisch oder, wo sie verloren ging, als Fischgerippe. In den ‹Strafaufgaben› erscheint der Mensch als Bestandteil einer nicht endenden Masse und zugleich vereinzelt, gefangen und von allen getrennt.
Schuldhess’ besonderes Interesse galt der Verbindung zwischen den Weltreligionen. Er suchte nach der Essenz, die über die einzelnen Bekenntnisse hinausweist bis ins Gestalt- und Namenlose, damit Religion nicht mehr Anlass zu Krieg wird, sondern zur Grundlage für Frieden. Auch dafür findet Schuldhess schlichte sinnbildliche Formeln. Ein Beispiel: Die angestrebte Versöhnung zwischen Israel und Palästina, Islam und Judentum stellt er dar als ‹Halbmond und Stern›, dabei verbinden sich der jüdische Davidstern und die ihn umschliessende islamische Mondsichel zu einer harmonischen Einheit.
Die Schuldhess-Sammlung der Stadt Liestal
Durch zahlreiche Schenkungen und Deposita aus Privatbesitz sowie durch einzelne Ankäufe kam die Stadt Liestal in den Besitz einer hochkarätigen Schuldhess-Sammlung, in der einige seiner bedeutendsten Werke vereinigt sind.
Den Grundstock der Sammlung bildet die Sammlung von Dr. Alfred Hosch-Wackernagel (1924–2019) in Basel, der viele Hauptwerke des Malers erwarb und seine Sammlung schon zu Lebzeiten als Dauerleihgabe dem DISTL übergab: Ölgemälde aus allen Schaffensphasen, Werke auf Papier und zwei von Schuldhess gebaute und ausgestaltete Saiteninstrumente.
In der Folge von Schuldhess-Ausstellungen im DISTL wie auch an anderen Orten wurde dieser Bestand durch Schenkungen weiterer Kunstfreunde und -freundinnen mit Bildern und Kunstobjekten stetig erweitert und zu einem repräsentativen Gesamtbild ergänzt. Zu den Ölgemälden und Aquarellen kam – ebenfalls als Schenkung eines Freundes des Malers – eine vollständige Sammlung der expressiven Holzschnitte aus den 1960er-Jahren. Ihr Thema ist die Shoah, Gefangenschaft, Verfolgung, Flucht.
Plastische Arbeiten sind im Gesamtwerk von Schuldhess eher selten, aber von besonderer Bedeutung. Gerade diese Ausnahmewerke sind in der Liestaler Sammlung prominent vertreten: eingerahmte Druckplatten für Holzschnitte und Radierungen, eine Maske, eine Keramikvase, die Laterne zum Tibetanischen Totenbuch sowie die zwei bereits erwähnten Saiteninstrumente.





