Jonas Breitenstein: Pionier der Mundartliteratur und Chronist des Baselbiets
Jonas Breitenstein (1828–1877) war Pfarrer, Armenhelfer und Schriftsteller. Er gilt als Pionier der Baselbieter Mundartliteratur und zählt zugleich zu den bedeutenden Schweizer Vertretern des Poetischen Realismus.
Geboren in Ziefen, besuchte er zunächst die Primarschule bei seinem Vater, dann die Bezirksschule in Liestal und die Oberstufe des Gymnasiums, das sogenannte Pädagogium, in Basel. Dort legte er 1848 als Jahrgangsbester die Maturität ab. Anschliessend studierte er Theologie in Basel mit zwei Auslandsemestern in Göttingen.
Nach seiner Ordination wirkte Jonas Breitenstein von 1852 bis 1870 als Pfarrer der Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen. Dort gründete er einen Frauenverein und eine Kleinkinderschule und engagierte sich in der Armen-fürsorge sowie im Bildungswesen. Von 1870 bis zu seinem Tod war er Sekretär der Freiwilligen Armenpflege Basel, einer noch privat geführten Vorläuferin der staatlichen Sozialhilfe. Er galt damals landesweit als Experte im Bereich des Armenwesens. Daneben unterrichtete er Religion am Gymnasium und wirkte als Prediger.
Breitenstein war mit Theresia Tschopp von Ziefen verheiratet und Vater von acht Kindern, darunter der Maler Ernst Breitenstein. Aus seinen Briefen wird ersichtlich, dass er sich bei der Kinderbetreuung stark engagierte und zeitlebens eine liebevolle Beziehung zu seiner Frau pflegte.
Schon als Schüler schrieb Breitenstein Gedichte in Hochdeutsch und Mundart. Vorbild war für ihn neben seinem Lehrer Wilhelm Wackernagel vor allem der alemannische Dichter Johann Peter Hebel. 1860 veröffentlichte er unter dem Pseudonym B. T. Jonas die Sammlung ‹Erzählungen und Bilder aus dem Baselbiet›. Angeregt wurden die hochdeutschen, mit Mundart-ausdrücken durchsetzten Geschichten durch Jeremias Gotthelfs Erzählung ‹Hans Jakob und Heiri, die beiden Seidenweber›, deren Darstellung des Baselbiets Breitenstein als wenig authentisch empfand. Gleichzeitig erwies er dem Emmentaler Dichterpfarrer die Reverenz, indem er beim Titel auf dessen mehrbändige Sammlung ‹Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Schweiz› anspielte.
Mit den Idyllen ‹Der Her Ehrli› (1863) und ‹’S Vreneli us der Bluemmatt› (1864) schuf Breitenstein zwei der frühesten selbstständigen Buchpublikationen in der Mundart der Landschaft Basel. Charakteristisch sind die Verbindung von Oberbaselbieter Dialekt mit städtischem ‹Baseldeutsch› und die Verwendung von frei gestalteten Hexametern. Breitensteins letzte Buchveröffentlichung war die hochdeutsche Erzählung ‹Jakob, der Glücksschmied› (1868). Weitere Erzählungen und Sachtexte erschienen in Zeitschriften, die er teilweise selbst herausgab.
Breitenstein gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Mundartautoren des 19. Jahrhunderts. Auch seine hochdeutschen Erzählungen nehmen in der Schweizer Literatur des Realismus einen wichtigen Platz ein. Wegen seiner eindrücklichen Schilderungen des Kleinbauern- und Posamenterlebens wurde er auch als ‹Baselbieter Gotthelf› bezeichnet. Ein wichtiges Thema in Breitensteins Werk ist die Armut, deren Ursachen er äusserst differenziert darstellt.
Der im DISTL aufbewahrte Nachlass umfasst über 1100 Dokumente, darunter 750 Briefe privater und amtlicher Natur, Manuskripte von veröffentlichten und unveröffentlichten Werken, Referate, Wörterlisten, Abdrucke in Zeitungen und Zeitschriften, amtliche Dokumente wie Reisepass, Bürgerbrief und Einschreibungsurkunde an der Universität in Göttingen, Rechnungen und Quittungen, Versicherungspolicen, Zeichnungen und Porträtfotos, Siegelstempel sowie postume Veröffentlichungen über den Dichter. Es handelt sich also nicht um den planmässig gesammelten und auf spätere Veröffentlichung berechneten Briefnachlass eines Literaten, sondern um einen klassischen Familiennachlass.
Ein Teil des Nachlasses von Jonas Breitenstein befindet sich heute im Dorfmuseum Binningen, so die 200-seitige Handschrift ‹Logik›, einige Taufbriefe aus der Familie, verschiedene Bücher aus Breitensteins Bibliothek, vier Zeichnungen und einzelne Gegenstände wie ein Silberpokal, ein von Jonas Breitenstein selbst geschreinerter Sessel und mehrere Tabakpfeifen.
1991 schenkte der bekannte Basler Germanist Rudolf Suter, ein Urenkel von Jonas Breitenstein, der Stadt Liestal zuhanden des Museums den schriftlichen Nachlass des Dichterpfarrers. Alle Dokumente waren damals in vergilbtes Zeitungspapier aus den 1940er-Jahren eingewickelt. Diese sorgfältig beschrifteten Pakete blieben mangels Ressourcen für die Inventarisierung zunächst ungeöffnet; nur einzelne Dokumente wurden entnommen, um sie in der Dauerausstellung des 2001 am jetzigen Standort eröffneten Dichter- und Stadtmuseums zu präsentieren.
Erst ab 2016 wurde der gesamte Bestand von Maja Samimi-Eidenbenz und Rosmarie Breitenstein-Thommen in Freiwilligenarbeit systematisch gesichtet, geordnet, dokumentiert, fotografiert und in säurefreie Archiv-schachteln verpackt. Danach übertrug der freiwillige Mitarbeiter Werner Ballmer alle Informationen in die Sammlungsdatenbank. Parallel dazu wurden sämtliche von Jonas Breitenstein verfassten und an ihn gerichteten Briefe transkribiert. Zudem veröffentlichte das Dichter- und Stadtmuseum Liestal gemeinsam mit dem Ortsmuseum Binningen zwischen 2013 und 2018 fast alle literarischen Werke von Breitenstein, dazu ausgewählte Aufzeichnungen und eine Auswahl von Briefen, in vier Bänden.
2019 wurde der Verein Jonas Breitenstein gegründet, der sich die Erforschung, Vermittlung und Verbreitung des Werks des Dichters zum Ziel gesetzt hat (jonas-breitenstein.ch/home.html). Die Originale des Nachlasses sind für die Forschung und Interessierte auf Anmeldung im Museum einsehbar.
Geboren in Ziefen, besuchte er zunächst die Primarschule bei seinem Vater, dann die Bezirksschule in Liestal und die Oberstufe des Gymnasiums, das sogenannte Pädagogium, in Basel. Dort legte er 1848 als Jahrgangsbester die Maturität ab. Anschliessend studierte er Theologie in Basel mit zwei Auslandsemestern in Göttingen.
Nach seiner Ordination wirkte Jonas Breitenstein von 1852 bis 1870 als Pfarrer der Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen. Dort gründete er einen Frauenverein und eine Kleinkinderschule und engagierte sich in der Armen-fürsorge sowie im Bildungswesen. Von 1870 bis zu seinem Tod war er Sekretär der Freiwilligen Armenpflege Basel, einer noch privat geführten Vorläuferin der staatlichen Sozialhilfe. Er galt damals landesweit als Experte im Bereich des Armenwesens. Daneben unterrichtete er Religion am Gymnasium und wirkte als Prediger.
Breitenstein war mit Theresia Tschopp von Ziefen verheiratet und Vater von acht Kindern, darunter der Maler Ernst Breitenstein. Aus seinen Briefen wird ersichtlich, dass er sich bei der Kinderbetreuung stark engagierte und zeitlebens eine liebevolle Beziehung zu seiner Frau pflegte.
Schon als Schüler schrieb Breitenstein Gedichte in Hochdeutsch und Mundart. Vorbild war für ihn neben seinem Lehrer Wilhelm Wackernagel vor allem der alemannische Dichter Johann Peter Hebel. 1860 veröffentlichte er unter dem Pseudonym B. T. Jonas die Sammlung ‹Erzählungen und Bilder aus dem Baselbiet›. Angeregt wurden die hochdeutschen, mit Mundart-ausdrücken durchsetzten Geschichten durch Jeremias Gotthelfs Erzählung ‹Hans Jakob und Heiri, die beiden Seidenweber›, deren Darstellung des Baselbiets Breitenstein als wenig authentisch empfand. Gleichzeitig erwies er dem Emmentaler Dichterpfarrer die Reverenz, indem er beim Titel auf dessen mehrbändige Sammlung ‹Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Schweiz› anspielte.
Mit den Idyllen ‹Der Her Ehrli› (1863) und ‹’S Vreneli us der Bluemmatt› (1864) schuf Breitenstein zwei der frühesten selbstständigen Buchpublikationen in der Mundart der Landschaft Basel. Charakteristisch sind die Verbindung von Oberbaselbieter Dialekt mit städtischem ‹Baseldeutsch› und die Verwendung von frei gestalteten Hexametern. Breitensteins letzte Buchveröffentlichung war die hochdeutsche Erzählung ‹Jakob, der Glücksschmied› (1868). Weitere Erzählungen und Sachtexte erschienen in Zeitschriften, die er teilweise selbst herausgab.
Breitenstein gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Mundartautoren des 19. Jahrhunderts. Auch seine hochdeutschen Erzählungen nehmen in der Schweizer Literatur des Realismus einen wichtigen Platz ein. Wegen seiner eindrücklichen Schilderungen des Kleinbauern- und Posamenterlebens wurde er auch als ‹Baselbieter Gotthelf› bezeichnet. Ein wichtiges Thema in Breitensteins Werk ist die Armut, deren Ursachen er äusserst differenziert darstellt.
Der schriftliche Nachlass
Der im DISTL aufbewahrte Nachlass umfasst über 1100 Dokumente, darunter 750 Briefe privater und amtlicher Natur, Manuskripte von veröffentlichten und unveröffentlichten Werken, Referate, Wörterlisten, Abdrucke in Zeitungen und Zeitschriften, amtliche Dokumente wie Reisepass, Bürgerbrief und Einschreibungsurkunde an der Universität in Göttingen, Rechnungen und Quittungen, Versicherungspolicen, Zeichnungen und Porträtfotos, Siegelstempel sowie postume Veröffentlichungen über den Dichter. Es handelt sich also nicht um den planmässig gesammelten und auf spätere Veröffentlichung berechneten Briefnachlass eines Literaten, sondern um einen klassischen Familiennachlass.
Ein Teil des Nachlasses von Jonas Breitenstein befindet sich heute im Dorfmuseum Binningen, so die 200-seitige Handschrift ‹Logik›, einige Taufbriefe aus der Familie, verschiedene Bücher aus Breitensteins Bibliothek, vier Zeichnungen und einzelne Gegenstände wie ein Silberpokal, ein von Jonas Breitenstein selbst geschreinerter Sessel und mehrere Tabakpfeifen.
Bestandesgeschichte
1991 schenkte der bekannte Basler Germanist Rudolf Suter, ein Urenkel von Jonas Breitenstein, der Stadt Liestal zuhanden des Museums den schriftlichen Nachlass des Dichterpfarrers. Alle Dokumente waren damals in vergilbtes Zeitungspapier aus den 1940er-Jahren eingewickelt. Diese sorgfältig beschrifteten Pakete blieben mangels Ressourcen für die Inventarisierung zunächst ungeöffnet; nur einzelne Dokumente wurden entnommen, um sie in der Dauerausstellung des 2001 am jetzigen Standort eröffneten Dichter- und Stadtmuseums zu präsentieren.
Erst ab 2016 wurde der gesamte Bestand von Maja Samimi-Eidenbenz und Rosmarie Breitenstein-Thommen in Freiwilligenarbeit systematisch gesichtet, geordnet, dokumentiert, fotografiert und in säurefreie Archiv-schachteln verpackt. Danach übertrug der freiwillige Mitarbeiter Werner Ballmer alle Informationen in die Sammlungsdatenbank. Parallel dazu wurden sämtliche von Jonas Breitenstein verfassten und an ihn gerichteten Briefe transkribiert. Zudem veröffentlichte das Dichter- und Stadtmuseum Liestal gemeinsam mit dem Ortsmuseum Binningen zwischen 2013 und 2018 fast alle literarischen Werke von Breitenstein, dazu ausgewählte Aufzeichnungen und eine Auswahl von Briefen, in vier Bänden.
2019 wurde der Verein Jonas Breitenstein gegründet, der sich die Erforschung, Vermittlung und Verbreitung des Werks des Dichters zum Ziel gesetzt hat (jonas-breitenstein.ch/home.html). Die Originale des Nachlasses sind für die Forschung und Interessierte auf Anmeldung im Museum einsehbar.






